ZAD-Info · Dienstag, 07. März 2006
Großdemonstration türkischer Genozidleugner in Berlin
Die Bewegung der türkischen Genozidleugner umfasst sowohl extrem nationalistische, faschistische und islamistische Kreise als solche, die sich als „Linke“ ausgeben. Zu den Galionsfiguren dieses Bündnisses zählen der ehemalige Führer der zyprischen Türken, Rauf Denktasch und der Chef der „Arbeiterpartei“ Dogu Perincek. In einem ersten Aufruf zur Demonstration haben die Organisatoren unverhohlen damit gedroht, die europäischen Städte in Flammen zu setzen, wenn die Europäer weiterhin von der Türkei die Anerkennung des Völkermords verlangen sollten.
Die deutschen Abgeordneten hatten sich trotz massiven Drucks seitens der Türkei nicht davon abbringen lassen, in einer Plenarsitzung über das Verbrechen an den Armeniern zu debattieren und eine Resolution diesbezüglich zu verabschieden. Als Mitglieder der armenischen Gemeinschaft in Deutschland haben wir es begrüßt, dass das Thema Völkermord an den Armeniern auch in die Schulbücher aufgenommen wird. Dies bedeutet einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über das Verbrechen des türkischen Staates an den Armeniern.
Es ist sehr bedauerlich, dass türkische Vereine in Deutschland sich ebenfalls der extrem nationalistischen Bewegung der Genozidleugner angeschlossen haben und von einem „Widerstand der Demokraten“ sprechen. Die Pflicht der türkischen Demokraten wäre es jetzt, sich eindeutig von den Zielen und Forderungen der türkisch-nationalistischen Genozidleugner zu distanzieren und sich im Sinne der Bundestagsresolution für die Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der türkischen Geschichte einzusetzen.
Der
Zentralrat der Armenier in Deutschland (ZAD) hat bereits an die
deutschen Politiker appelliert, Genozidleugnung in Deutschland
entschieden zu bekämpfen und sich nicht ihrem Druck zu beugen.
Fast
einem Jahr nach der denkwürdigen Debatte im Bundestag geht es heute
darum, dass die deutsche demokratische Öffentlichkeit alle Versuche,
die historischen Tatsachen zu leugnen und Druck auf die deutsche
Politik und Behörden auszuüben, entschlossen zurückweist.
Der geplante Aufmarsch der türkisch-nationalistischen Genozidleugner in Berlin ist deshalb nicht nur eine Provokation für alle Demokraten, sondern auch eine Bewährungsprobe: Genozidleugnung darf in einem demokratischen Europa keine Chance haben!