Pressemitteilung · Freitag, 20. April 2007
Gedenkveranstaltung für die Opfer des Genozids an den Armeniern
Die Gedenkreden werden gehalten von Herrn Dr. Christoph Bergner MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, und von dem Historiker Prof Dr. Norbert Frei (Universität Jena). Sprechen wird außerdem Frau Karine Kazinian, Botschafterin der Republik Armenien. Die Gedenkfeier wird von dem Saxophonisten Koryun Asatryan, der Pianistin Nare Karoyan sowie den Schauspielern Geno Lechner und Werner Rehm künstlerisch begleitet.
Weitere Gedenkfeiern in Frankfurt und Köln
Die Armenische Gemeinde in Hessen veranstaltet am 23. April um 15.00 Uhr eine Gedenkfeier in der Begegnungsstätte Weingarten, Am Weingarten 18-20, 60487 Frankfurt am Main. Die Gedenkrede wird dort gehalten von Frau Kristin Platt (Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der Ruhr-Universität Bochum). Zudem wird Dr. Schawarsch Owassapian, Vorsitzender des Zentralrats der Armenier in Deutschland, sprechen.
Die Armenische Gemeinde zu Köln gedenkt am 24. April 2006 um 20.00 Uhr in der Armenischen Kirche (Allensteiner Straße 5, 50735 Köln-Niehl) der Opfer des Genozids. Die Gedenkreden halten der Schriftsteller und Publizist Dr. h.c. Ralph Giordano und die Bundestagsabgeordnete Frau Ursula Heinen.
Ein Tag des Gedenkens, ein Tag der Herausforderungen
Wenn in diesem Jahr am 24. April des Genozids an den Armeniern und an den aramäischen Christen in der osmanischen Türkei gedacht wird, so steht dieser Gedenktag immer noch unter den Herausforderungen von Leugnung und Vergessen.
So ist auch heute jede armenische Gemeinschaft, in der weltweit der Opfer des Genozids gedacht wird, damit konfrontiert, die armenische Erfahrung erklären zu müssen. Was jedoch noch gravierender ist: sie ist nach wie vor damit konfrontiert, in einer westlichen Kultur, die Diskurse der Versöhnung entwickelt hat, eine zunächst als unversöhnlich erscheinende Haltung einzunehmen und Nein zu sagen: Nein, es kann keine Annäherung geben, solange die Leugnung aufrechterhalten wird.
Denn die Leugnung bezieht sich nicht auf die Tat allein. Die Leugnung bezieht sich auf das west-armenische Heimatland (Ostanatolien), auf die althistorische, die mittelalterliche und die moderne armenische Kultur. Die Leugnung bezieht sich auf die Erinnerungen und Erfahrungen der Armenier. Die Leugnung bezieht sich auf die armenische Gegenwart.
So ist bis heute ein Gedenken an die Opfer immer noch nicht möglich, ohne daß es konfrontiert ist mit der aggressiven Geschichtspolitik der Türkei, die von den türkischen Medien und Organisationen auch in Europa und in der Bundesrepublik getragen und propagiert wird. »Es ist beunruhigend«, so Dr. Schawarsch Owassapian, Vorsitzender des Zentralrats der Armenier in Deutschland, »dass ein aggressiver Nationalismus, der nach den Schrecken des Nationalsozialismus aus Europa gebannt werden sollte, nun über eine absichtsvoll unverarbeitet gebliebene türkische Vergangenheit zurückzukehren droht. Die Realität dieses neuen alten Nationalismus zeigt sich nicht zuletzt an der Möglichkeit, Menschen über eine Leugnung des Genozids politisch zu mobilisieren, so wie wir es an den Reaktionen auf die Resolution gesehen haben, die der Deutsche Bundestag im Sommer des vergangenen Jahres zum Gedenken an die Opfer des Genozids verabschiedet hat«.
So fordern wir heute die türkischen Organisationen in Deutschland und die deutschen Parlamentarier mit türkischem Migrationshintergrund dazu auf, mit einer kritischen Haltung zur politisch institutionalisierten Leugnung ein Beispiel zu geben, damit der türkischen Gemeinschaft in Deutschland nicht länger ein kritischer und reflektierter Umgang mit der eigenen Geschichte verwehrt bleibt.
Der 24. April, an dem der Opfer des Genozids an den Armeniern gedacht wird, an dem der radikale Verlust einer Kultur und Geschichte betrauert wird, hat bis heute keinen adäquaten Platz in den Geschichtsbüchern Europas erhalten. »Der Nationalismus und Rassismus, die moderne und systematische Gewalt, die die Ermordung der Armenier begleiteten, sind heute nahezu vergessen«, so Vartkes Alyanak von der Armenischen Gemeinde zu Berlin. »Die Strukturen der Tat sind ebenso geleugnet, wie die Opfer, ja, wie die armenische Gegenwart in der Geschichte und Gegenwart insgesamt.«
So stellt der 24. April nicht nur die Frage nach der Anerkennung der armenischen Geschichte, sondern immer aufs Neue auch eine Frage nach der Zukunft der armenischen Gemeinschaft.
Herzlich laden wir die Presse zu unseren Gedenkveranstaltungen ein.
Kontakt:
Vartkes Alyanak
Tel.: 030 / 3049292, Mail: vartkes@freenet.de
Zentralrat der Armenier in Deutschland e.V.
Frankfurt
20. April 2006