Pressemitteilung · Montag, 15. September 2008
Ein übertünchter Skandal: Der türkische Präsident in Armenien
Der Zentralrat der Armenier in Deutschland
(ZAD) sieht diese “Fußballdiplomatie” sehr viel kritischer und mahnt zu
vermehrter Aufmerksamkeit gegenüber allen Versuchen, mittels
vereinzelter Fortschritte in praktischen politischen Fragen die
zentrale Problemlage im Verhältnis Türkei-Armenien zu übertünchen: den
Völkermord von 1915 und die militante Weigerung der Türkei, diesen
Genozid an den Armeniern endlich anzuerkennen.
ZAD begrüßt die Tatsache, dass die türkische Führung endlich Dialogbereitschaft zeigt und dass möglicherweise Erleichterungen im Grenzverkehr zwischen beiden Ländern sowie eine Lösung des Karabach-Problems in Sichtweite rücken. Wir halten es allerdings für einen ungeheuerlichen Skandal, dass der türkische Präsident nach Armenien reist, ohne dort auch nur ein einziges Wort über den Völkermord zu sagen, geschweige denn, eine Bitte um Entschuldigung zu formulieren.
Hätte man sich denn wohl in Deutschland vorstellen können, dass ein deutscher Bundespräsident zu einer ersten Reise nach Israel aufgebrochen wäre und dort kein einziges Wort über den Holocaust verloren hätte? Der ZAD appelliert an die deutsche Öffentlichkeit, sich einmal in die Lage der Völkermordopfer und ihrer Nachfahren zu versetzen und dann den Schmerzen nachzuspüren, die eine solche Diplomatie hinterlassen muss.
Armenien habe schon immer das Gespräch ohne Vorbedingung gesucht, die Türkei allerdings habe diesen Dialog bisher strikt verweigert; insofern könne man dem Präsidenten durchaus ein erhebliches innenpolitisches Wagnis zugestehen, die Einladung nach Jerewan angenommen zu haben. Wirklich Mut hätte der türkische Präsident Gül jedoch erst dann bewiesen wenn er sein eigenes Land mit der unbestrittenen Faktizität des Völkermords konfrontiert und dies auch offen in Armenien kommuniziert hätte: Solange die Türkei sich nicht ihrer eigenen Geschichte stellt, wird es keine Versöhnung geben können.
Solange die Türkei sich nicht ihrer eigenen Geschichte stellt, kann es auch keine wirklichen Fortschritte geben, dieses Land in die Wertegemeinschaft Europas zu integrieren.”
Zentralrat der Armenier in Deutschland
Dr. Sch. Owassapian, Vorsitzender
Frankfurt am Main, 15.9.2008
ZAD begrüßt die Tatsache, dass die türkische Führung endlich Dialogbereitschaft zeigt und dass möglicherweise Erleichterungen im Grenzverkehr zwischen beiden Ländern sowie eine Lösung des Karabach-Problems in Sichtweite rücken. Wir halten es allerdings für einen ungeheuerlichen Skandal, dass der türkische Präsident nach Armenien reist, ohne dort auch nur ein einziges Wort über den Völkermord zu sagen, geschweige denn, eine Bitte um Entschuldigung zu formulieren.
Hätte man sich denn wohl in Deutschland vorstellen können, dass ein deutscher Bundespräsident zu einer ersten Reise nach Israel aufgebrochen wäre und dort kein einziges Wort über den Holocaust verloren hätte? Der ZAD appelliert an die deutsche Öffentlichkeit, sich einmal in die Lage der Völkermordopfer und ihrer Nachfahren zu versetzen und dann den Schmerzen nachzuspüren, die eine solche Diplomatie hinterlassen muss.
Armenien habe schon immer das Gespräch ohne Vorbedingung gesucht, die Türkei allerdings habe diesen Dialog bisher strikt verweigert; insofern könne man dem Präsidenten durchaus ein erhebliches innenpolitisches Wagnis zugestehen, die Einladung nach Jerewan angenommen zu haben. Wirklich Mut hätte der türkische Präsident Gül jedoch erst dann bewiesen wenn er sein eigenes Land mit der unbestrittenen Faktizität des Völkermords konfrontiert und dies auch offen in Armenien kommuniziert hätte: Solange die Türkei sich nicht ihrer eigenen Geschichte stellt, wird es keine Versöhnung geben können.
Solange die Türkei sich nicht ihrer eigenen Geschichte stellt, kann es auch keine wirklichen Fortschritte geben, dieses Land in die Wertegemeinschaft Europas zu integrieren.”
Zentralrat der Armenier in Deutschland
Dr. Sch. Owassapian, Vorsitzender
Frankfurt am Main, 15.9.2008