Pressemitteilung · Freitag, 19. Januar 2007
Die Ermordung Hrant Dinks – ein Anschlag auf die Meinungsfreiheit
Hrant Dink hat Zeit seines Lebens standhaft und mit Überzeugung für seine Ideale gekämpft und sich dabei nie durch Drohungen einschüchtern lassen. Er war sich der Gefahr, der er sich durch seinen Einsatz für Recht und Wahrheit ausgesetzt war, immer bewusst. Nach dem Militärputsch von 1980 wurde er mehrmals inhaftiert. Im Oktober 2005 wurde er wegen „Beleidigung des Türkentums" zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Im Juli 2006 bestätigte das höchste Berufungsgericht dieses Urteil. Die Proteste gegen den Maulkorbparagraphen 301, haben bislang leider keine Resultate gezeigt. Die Verurteilung Hrant Dinks durch ein Gericht reichte den extremistischen türkischen Nationalisten nicht: Mit der Ermordung des armenischen Journalisten wollten sie zeigen, wie sie das „Türkentum" zu verteidigen gedenken.
Der Tatort für diesen abscheulichen Mord - das Redaktionsgebäude der Zeitung AGOS - ist symbolhaft: Die tödlichen Schüsse auf Hrant Dink galten nicht nur dem mutigen Armenier, der sich unermüdlich für die Rechte der Armenier in der Türkei eingesetzt hat und deshalb zur Zielscheibe der fanatischen türkischen Nationalisten wurde. Dieser Mord ist zugleich ein blutiger Anschlag gegen die Meinungsfreiheit und Demokratie, für die Dink sich immer eingesetzt hat. Im Mai 2005 wurde Hrant Dink in Hamburg mit dem Henri Nannen Preis ausgezeichnet. Die spontanen Trauerbekundungen in Istanbul zeigen, dass die Ermordung Hrant Dinks auch innerhalb demokratische Öffentlich in der Türkei Entsetzen, Trauer und Empörung hervorgerufen hat.
Unser tiefstes Beileid und Mitgefühl gilt Hrant Dinks Ehefrau Rakel, seinen Kindern und allen seinen Angehörigen.
Zentralrat der
Armenier in Deutschland
Frankfurt
am Main, 19.01.2007