Pressemitteilung · Montag, 19. Januar 2009
Armenier erinnern an Hrant Dink und Erleben eine Maskerade
Hrant Dink war jemand, der diesen Weg gehen wollte. Er ist gescheitert. Mit ihm
starb auch die Hoffnung, dass Versöhnung ohne den mühevollen Weg der
Anerkennung möglich sei. Diese Hoffnung, so müssen wir es mit dem Abstand von
zwei Jahren sehen, war eine Illusion. Wer heute Dinks Texte wieder liest, wird
die Trauer über diesen Verlust noch einmal mit aller Wucht empfinden. Es wird
viele mutige Menschen benötigen, um den Prozess der Anerkennung doch noch zu
beschleunigen und der Türkei den Weg einer politischen Umkehr zu weisen. Nur so
wird dieses Land die große Chance erkennen können, die darin liegt, seine
eigene Geschichte anzuerkennen und endlich frei zu werden von den Zwängen einer
Jahrzehnte alten Lüge: Entfesselung als Akt der Befreiung.
Der ZAD registriert, dass in jüngster Zeit eine Gruppe türkischer Bürger im
Internet eine Petition veröffentlicht hat, in der sie die Armenier für die an
ihnen begangenen "Massaker" des Jahres 1915 um Verzeihung bitten. Aufgrund von Aussagen einiger Initiatoren
dieser Aktion in Zeitungsartikeln sowie in öffentlichen Kommentierungen und
Interviews, allen voran durch die Äußerungen des Initiators Prof. Baskin Oran,
wird es deutlich, dass die Aktion "Ich entschuldige mich" eine PR-Maskerade
darstellt, mit dem Zweck, Diskussionen in verschiedenen Parlamenten bezüglich
der Anerkennung des Genozids der Türkei an den Armeniern zu verhindern und
blockieren. Dies geschieht auf Kosten von vielen Tausenden Internet-User, die
die Aktion per Unterschrift solidarisieren.
Eine Entschuldigung für die historischen Vernichtungstaten der Türkei zu
erbitten, ist und bleibt einzig und allein die Aufgabe der türkischen
Regierung.
Zentralrat der Armenier in Deutschland
Der Vorstand
Frankfurt am Main, 19.01.2009