Keine türkische Geschichtsverfälschung an unseren Schulen

Pressemitteilung · Dienstag, 11. August 2009

Keine türkische Geschichtsverfälschung an unseren Schulen

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, will den Völkermord an den Armeniern aus dem Gedächtnis seiner Landsleute und aus dem Gedächtnis deutscher Schüler eliminieren. Er sorgt sich darum, dass in Brandenburg schulische Handreichungen für den Geschichtsunterricht die Ereignisse der Jahre 1915 ff im osmanischen Reich als Völkermord brandmarken: Das setze türkischstämmige Schüler unter psychologischen Druck und gefährde den inneren Frieden. Kenan Kolat hat sich in dieser Angelegenheit offenbar bereits an die brandenburgische Landesregierung gewandt und eine Streichung jener Textpassagen gefordert. Auch ein Brief an die Bundeskanzlerin sei schon unterwegs.

Der Zentralrat der Armenier in Deutschland (ZAD) kann nur erneut fassungslos zur Kenntnis nehmen, wie verantwortungslos Vertreter der Türken in Deutschland und der türkischstämmigen Deutschen mit ihrer eigenen Geschichte umgehen. Zugleich appelliert der ZAD noch einmal an die demokratischen Kräfte unter den hier lebenden Türken, die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und mit dem Genozid von 1915 mit aller erforderlichen Zivilcourage in ihre Gemeinschaften hinein zu tragen. Nur so ist auf Dauer innerer Frieden erreichbar: Grundvoraussetzung zu einem friedlichen Miteinander von Türken, Armeniern und Deutschen in Deutschland.

Die stellvertretende ZAD-Vorsitzende Sossy Scheier erinnert daran, dass vor vier Jahren schon einmal ein türkischer Versuch, die Geschichte umzuschreiben, skandalträchtig gescheitert ist. Der Ministerpräsident des Landes Brandenburg musste damals eine entsprechende Zensurmaßnahme seiner Schulbehörde korrigieren. Seither steht den Lehrern des Landes eine umfangreiche Handreichung zum Thema "Völkermorde und staatliche Gewaltverbrechen im zwanzigsten Jahrhundert" zur Verfügung. Der Deutsche Bundestag hat 2005 in seiner bemerkenswerten Resolution zum Völkermord an den Armeniern die Bundesländer aufgefordert, das Thema endlich umfassend im schulischen und universitären Bildungssystem zu implementieren. Da ist bisher nichts geschehen. Der ZAD fordert die zuständigen Länderministerien hiermit erneut auf, endlich dem Auftrag des höchsten deutschen Souveräns, des Parlaments, nach zu kommen und dem Beispiel Brandenburgs zu folgen. Sossy Scheier:"Die Handreichungen zum Thema Völkermord müssen endlich verbindlich in allen Schulen Anwendung finden. Nur eine solche entschieden demokratische Haltung wird in Zukunft weitere Versuche von türkischer Seite verhindern können, den Völkermord zu leugnen und diese Völkermordlüge dann auch noch in die Köpfe unserer Schulkinder zu pflanzen."

ZENTRALRAT DER ARMENIER IN DEUTSCHLAND
Der Vorstand
Frankfurt, 10. August 2009

 

 


 

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