Pressemitteilung · Samstag, 09. Februar 2008
Armenier gegen türkische Schulen in Deutschland
Es ist in hohem Maße beunruhigend, dass der türkische Regierungschef offenbar alle in Deutschland lebenden Türken, also auch die Deutschen türkischer Herkunft, vereinnahmt. Er will damit offensichtlich Maßstäbe seines Landes auf die Bildungspolitik Deutschlands übertragen und von Ankara aus die Oberaufsicht führen.
Das heißt auch, dass die Leugnungspolitik türkischer Geschichtsschreibung nach Europa hinein verlängert werden soll: Den Völkermord an den Armeniern von 1915 hat es, so das türkische Staatsdogma, nie gegeben. Eine solche Verfälschung der Geschichte können wir nicht dulden.
Der ZAD fordert vielmehr seit langem, dass das Thema Völkermord und Gewalt im 20. Jahrhundert endlich Eingang in die deutsche Bildungspolitik findet und dass sich Schulen und Universitäten verstärkt mit diesen Fragen auseinandersetzen. Nur in einer offenen Beschäftigung mit der Geschichte ist die Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft möglich. Integration kann, gerade in diesem Punkt, schmerzlich sein. Es gibt dazu aber keine Alternative. Wir vertrauen auf ein friedliches Miteinander der Kulturen hier in unserem Land, das setzt jedoch den Willen aller Beteiligten zur Integration, den Willen zu einem respektvollen Dialog und ebenso den Willen zu einer unabhängigen und offenen Auseinandersetzung mit unserer Herkunft und Geschichte voraus.
Zentralrat der Armenier in Deutschland
Der Vorstand
Frankfurt am Main, 9.2.2008