Armenier gedenken des Journalisten Hrant Dink

Pressemitteilung · Freitag, 11. Januar 2008

Armenier gedenken des Journalisten Hrant Dink

Vor einem Jahr, am 19. Januar 2007, wurde in Istanbul der armenische Journalist Hrant Dink erschossen. Die Armenier in aller Welt gedenken an diesem Tag eines mutigen Mannes, der sich unerschrocken für ihre Sache eingesetzt und dafür mit dem Leben bezahlt hat. Der Zentralrat der Armenier in Deutschland (ZAD) fordert aus diesem traurigen Anlass erneut die Verantwortlichen in Bund und Ländern auf, endlich die notwendigen Konsequenzen aus dem Parlamentsbeschluss vom Juni 2005 zu ziehen, mit dem der Deutsche Bundestag den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich anerkannt hat: 1. Die Leugnung eines Völkermords muss unter Strafe gestellt werden, weil sie den Opfern ihre Würde raubt; 2. das Thema Völkermord gehört verbindlich in die Lehrpläne deutscher Schulen.

Hrant Dink war Herausgeber der Wochenzeitung „Agos". In Deutschland wurde er am 12. Mai 2006 mit dem renommierten Henri-Nannen-Preis für seine Verdienste um die Pressefreiheit ausgezeichnet. Hrant Dink ist Opfer eines gewaltbereiten Klimas in der Türkei geworden, das aus der militanten Leugnung des Völkermords von 1915 durch sämtliche türkischen Regierungen entstanden ist. Sein Tod ist bis heute nicht wirklich aufgeklärt, ebenso wenig wie die späteren Morde an Christen im Lande. Die türkische Weigerung, die eigene Geschichte anzuerkennen, die dunklen Seiten der eigenen Geschichte anzunehmen und aufzuarbeiten, führt zu Gewalt und Aggression, die bis heute immer wieder Opfer fordern. Der ZAD appelliert in diesem Zusammenhang vor allem an die zuständigen Politiker der EU, im Rahmen der Beitrittsverhandlungen auf eine ersatzlose Streichung des verhängnisvollen § 301 (Beleidigung des Türkentums) hinzuwirken, der im eklatanten Widerspruch zu unserer europäischen Werteordnung steht.

 

 

 

Zentralrat der Armenier in Deutschland

Der Vorstand

Frankfurt am Main, 11.01.2008

Abdruck honorarfrei · Beleg erbeten