Seine Exzellenz: Charles Aznavour

Nachrichten · Montag, 25. Mai 2009

Seine Exzellenz: Charles Aznavour

Ex-Armenier jetzt Botschafter in der Schweiz / Seine Heimat feiert ihn

Es tut sich immer noch was beim einstigen „Napoleon des Chanson" und Filmgranden Charles Aznavour. Gerade rechtzeitig vor seinem 85. Geburtstag am 22. Mai wurde der armenienstämmige Franzose am 6.Mai 2009 zum Botschafter Armeniens in der Schweiz ernannt.

Der in Paris geborene Schahnur Waghinak Asnawurjan wurde erst Charles Aznavourian und später als Chansonier, Texter und Komponist Charles Aznavour weltberühmt. Sein Herkunfts- und sein Geburtsland feiern ihn dieser Tage überschwänglich, und auch das Potsdamer Filmmuseum beging seinen Geburtstag am Freitag mit einer filmischen Würdigung des großen, obwohl kleinen, aber vor allem sehr agilen Mannes. Die Kooperationsveranstaltung mit dem Förderverein Lepsiushaus gab dem Leiter des Johannes-Lepsius-Archivs Hermann Goltz vor der Aufführung des Geburtstagsfilms für Aznavour Gelegenheit, in seiner Laudatio auch die komplizierten armenisch-türkischen Beziehungen zu thematisieren. Bekanntlich hatte das Osmanische Reich vor und während des ersten Weltkriegs einen millionenfachen Völkermord an den Armeniern begangen, der bis heute von der Türkei abgestritten wird. Aznavour, der auf diese Verbrechen auch in seinen Liedern stets hinwies, wird als Botschafter Armeniens die gleiche Zielstrebigkeit benötigen wie er sie als Künstler hatte, wenn er mit diesem Anliegen auch politisch erfolgreich sein will.

Der 1960 vom unerreichten Regisseur Francois Truffaut realisierte Film des Abends „Schießen Sie auf den Pianisten" ist noch immer ein bizarres Meisterstück der schwarz-weißen Lichtspielkunst. Das die frühen amerikanischen Gangsterfilme parodierende Werk lebt nicht nur von der großartigen Schauspielkunst aller Akteure, sondern ist voller witziger Zitate und Anspielungen. So steigt die von Michele Mercier gespielte Clarisse, in einer Zeit als unbekleidete Frauen im Filmen absolutes Tabu waren, splitternackt zu Charlie (Charles Aznavour) ins Bett und plappert dabei kokett: „Was tust du da? In einem Film ist das doch gar nicht erlaubt!" Ansonsten aber geht's in dem romantischen Seelendrama beinhart zu. Als Ausgleich zur verwirrend hintergründigen Handlung und den diversen Verfolgungsjagden und wilden Schießereien bleiben dem Zuschauer die unzähligen schönen Frauen und ein schüchtern männlicher Aznavour in Hochform. Ein Film zum Seufzen. Da sind sie wieder, die Damen in ihren weiten, weißen, mit einem Gürtel gebundenen und deshalb an Bademäntel erinnernden Kostümen, aus denen nylonumhüllte Beine wachsen, die von Stöckelabsätzen getragen werden. Und wie männlich wir Männer da noch waren! Geschöpfe, ach was, Helden, zum Anlehnen geboren.

Gelernt haben wir Älteren diese Kunst nach unzähligen Filmen und Liedern ganz unstrittig vom unvergleichlichen Charmeur Charles Aznavour. (kro)

 

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