Nachrichten · Freitag, 22. Mai 2009
Charles Aznavour: Der Sänger der Traurigkeit
Doch nicht nur das kleine Land verehrt den 1,61 Meter kleinen Sänger mit den buschigen Augenbrauen und der markanten Unterlippe. In einer Umfrage des Fernsehsenders CNN und des Online-Magazins „Time" wurde er 1998 zum „Entertainer des Jahrhunderts" gewählt, vor Elvis Presley und Bob Dylan.
Es ist eine oft melancholische Unterhaltung, die Aznavour mit seinen Liedern bietet. „Ich habe kein einziges Lied der Freude geschrieben. Ich habe lustige Lieder geschrieben, aber kein frohes", sagte er einmal. Fernweh, Nostalgie, Erinnerung an das Leben der Boh?me im Pariser Viertel Montmartre, erloschene Liebe - das ist der Stoff, aus dem er seine Texte webt. Aznavour trägt sie überzeugend vor - er ist auch ein begabter Schauspieler, wie er in mehr als 60 Filmen gezeigt hat, darunter in „Schießen Sie auf den Pianisten" von François Truffaut (1960) oder in „Die Blechtrommel" von Volker Schlöndorff (1979).
Geboren am 22. Mai 1924 als Shahnourh Varenagh Aznavourian, begann er mit neun Jahren zu schauspielern in einer Theateraufführung von „Emil und die Detektive". Durch seine Schwester A?da kam er zum Variété, mit einem Pianisten zog er durch die Kabaretts in Frankreich und Belgien. Erfolge erzielte er zunächst nur mit seinen Texten für Edith Piaf oder Juliette Greco. Seine eigene Stimme entsprach lange nicht dem Publikumsgeschmack. Erst eine erfolgreiche Tournee in Nordafrika brachte auch in Frankreich den Durchbruch. Es folgten Hunderte Lieder - auch auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch -, über 100 Millionen verkaufte Alben und einige Bücher.