Annäherung zwischen Türkei und Armenien / Fünf Schritte auf dem Weg zur normalen Nachbarschaft

Nachrichten · Freitag, 24. April 2009

Annäherung zwischen Türkei und Armenien / Fünf Schritte auf dem Weg zur normalen Nachbarschaft

Über die "Roadmap", die den Fahrplan zur weiteren Annäherung zwischen der Türkei und Armenien bildet, sind Details veröffentlicht worden. Wie türkische Zeitungen berichten, sieht der Plan zur vollen gegenseitigen Anerkennung und Grenzöffnung fünf Schritte vor.

Die ersten beiden Schritte beziehen sich auf die Aufarbeitung der Vergangenheit: So soll zum einen eine unabhängige Historiker-Kommission eingesetzt werden, die die Hintergründe der Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg klären soll sowie die Frage, ob es sich hierbei um einen "Völkermord" handelte. Drittländern soll die Teilnahme erlaubt werden. Zum anderen will Armenien den Vertrag von Kars zwischen der Sowjetunion und der Türkei aus dem Jahr 1921 anerkennen. Dieser schreibt den momentan geltenden türkischen Grenzverlauf fest und war von Jerewan für ungültig erklärt worden. Im dritten Schritt wird angekündigt, dass die gemeinsame Grenze wieder geöffnet und gegenseitige wirtschaftliche Vereinbarungen unterzeichnet werden sollen.

Fußball zur Völkerverständigung

Bevor eine türkische Botschaft in Jerewan und eine armenische in Ankara eröffnet wird, sollen als viertes vorübergehend die Botschaften beider Länder in der georgischen Hauptstadt Tiflis die entsprechende Aufgabe übernehmen. Diese vier Schritte sollen als fünftes offiziell von den Parlamenten der beiden Länder gebilligt werden.

Wann angesichts dieses Vorgehens die Öffnung der Grenze vollzogen werden kann, ist momentan noch offen. Allerdings hält sich standhaft das Gerücht, es könne anlässlich des Fußball-Länderspiels beider Staaten am 14. Oktober hierzu kommen.

Baku schießt noch quer

Momentan wird der Annäherungsprozess zwischen der Türkei und Armenien allerdings noch von Aserbaidschan gestört. Die Regierung in Baku hat Angst, dass sie durch die momentane Entwicklung die türkische Unterstützung im Konflikt um die Kaukasus-Enklave Berg-Karabach verlieren könnte. Als diese von Jerewan 1993 annektiert wurde, schloss Ankara seine Grenze zu Armenien, weil es dieses Vorgehen ähnlich wie Aserbaidschan als Bruch des Völkerrechts verstand. Um die Proteste vom Kaspischen Meer zu beschwichtigen, will der türkische Regierungschef Tayyip Erdogan in den nächsten Tagen nach Baku fliegen.

 

http://www.tagesschau.de/ausland/turkeiarmenien100.html