Auszeichnung für den armenischen Patriarchen

Nachrichten · Freitag, 16. Januar 2009

Auszeichnung für den armenischen Patriarchen

Universität Fribourg und Ostkirchliches Institut Regensburg würdigen Mesrob II

Der armenisch-apostolische Patriarch von Istanbul, Mesrob II. (Mutafyan), wurde mit der "Silbernen Nikolaus-Rose" des Ökumenischen Instituts der Universität Fribourg und des Ostkirchlichen Instituts Regensburg geehrt. Mesrob II. bezeuge in herausragender Weise die Einheit von Glaube und Vernunft, von wissenschaftlich-theologischer Arbeit und Verkündigung des Evangeliums, so die Begründung. In all seinen Funktionen gelte die tägliche Sorge Mesrobs II. der Einheit der Christen. Die Laudatio hielt der Rektor der Universität Fribourg, Guido Vergauwen.

Die Preisverleihung fand im Rahmen eines feierlichen Abendgottesdienstes in der armenischen Marienkathedrale im konstantinopolitanischen Stadtteil Kumkapi statt. Bei dem Gottesdienst waren der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., aber auch zahlreiche armenische, syrische, katholische und lutherische Bischöfe und Pfarrer anwesend. Auch die Generalkonsuln von Österreich, Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Japan nahmen am Gottesdienst teil. Ebenso war der mit Patriarch Mesrob II. besonders verbundene Mufti von Istanbul, Prof. Mustafa Cagrici, anwesend.

Die "Silberne Rose" will akademische und kirchliche Ehrung zugleich sein. Preisträger der vergangenen Jahre waren Metropolit Kyrill von Smolensk (2006), die Äbtissin Iosefina des rumänisch-orthodoxen Klosters Varatec (2007) und der Vizesekretär des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Msgr. Eleuterio Fortino (2008).

Mesrob II. ist der 84. armenisch-apostolische Patriarch von Istanbul. Geboren 1956 in Istanbul, studierte er Theologie, Philosophie und Soziologie in Memphis (USA), Jerusalem und Rom. Er wurde 1979 zum Priester und 1986 zum Bischof geweiht. 1993 wurde er zum Bischof der Prinzeninseln im Marmara-Meer ernannt, 1998 erfolgte seine Wahl zum Patriarchen. Seit geraumer Zeit ist sein Gesundheitszustand angegriffen.

Die Präsenz der Armenier in Konstantinopel geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1461 übernahm der armenische Bischof von Brussa (Bursa) auf Wunsch von Sultan Mehmed II. die armenische Seelsorge in Konstantinopel. Im 15./16. Jahrhundert erlangte der armenische Bischof der Kaiserstadt dank der Gunst des Sultans den Titel eines Patriarchen. Ab dem 18. Jahrhundert (bis 1830) fungierte der armenisch-apostolische Patriarch von Istanbul als staatskirchenrechtliches Oberhaupt des "Millets" (der "Glaubensnation") aller altorientalischen Christen im Osmanischen Reich. Politisch war er damit auch den armenisch-apostolischen Katholikosaten von Sis in Kilikien und Achtamar in Ostanatolien sowie dem armenischen Patriarchat von Jerusalem vorgesetzt.

Vom 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts stand das armenische Gemeindeleben in Konstantinopel im Zeichen einer dynamischen Entwicklung. In der "Tanzimat" (Reform)-Epoche, aber auch schon zuvor, bekleideten Armenier wichtige Positionen im osmanischen "Establishment". So waren etwa Mitglieder der Architektenfamilie Balian Generationen hindurch Hofarchitekten des Sultans.

1914 umfasste das armenisch-apostolische Patriarchat von Konstantinopel 55 Diözesen mit rund 2.000 Pfarrgemeinden, 1.634 Kirchen und 1,4 Millionen Gläubigen.


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