Nachrichten · Mittwoch, 17. Dezember 2008
Politik: Türken und Armenier in der Annäherung? Wie Intellektuelle und Fußballfans ein Tabuthema brechen wollen
Einen
ersten Schritt wagt Cengiz Aktar, Politologe und Kopf der Initiative
„ozurdiliyoruz" („Ich entschuldige mich"), deren Erklärung bereits mehr als
2000 türkische Intellektuelle weltweit, darunter auch der deutsche Politiker
Cem Özdemir (Grüne) unterschrieben haben.
Man wolle keine Schuldzuweisungen, so, Cengiz Aktar, sondern eine Diskussion eröffnen. Nicht von „Völkermord", sondern von „ großer Katastrophe" ist daher auch in der Erklärung die Rede. Auf möglichst behutsame Weise will er die türkische Öffentlichkeit an ein gefährliches Thema heranführen. In der Erklärung heißt es:
„Ich kann mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, dass die große Katastrophe, der die osmanischen Armenier 1915 ausgesetzt waren, ohne Sensibilität behandelt und geleugnet wird. Ich weise diese Ungerechtigkeit zurück, ich persönlich teile den Schmerz meiner armenischen Brüder, und ich entschuldige mich bei ihnen".
In einem völlig anderen Gebiet, nämlich über den Sport, erhoffen sich nun viele Armenier und Türken eine - zumindest diplomatische - Annäherung. Das heutige Fußballspiel zwischen Armenien und der Türkei erreicht vermutlich viel mehr Menschen als irgendein politischer Diskurs.
Zum ersten Mal nach 80 Jahren reiste zu diesem Zweck ein türkischer Staatschef, Abdullah Gül, in das Nachbarland - ein großer symbolischer Schritt in Richtung Versöhnung. Und beliebte Journalisten, wie der Zeitungskommentator Hasan Cemal, dokumentieren die friedliche und hoffnungsvolle Stimmung vieler türkischer und armenischer Fußballfans vor Ort. Die Frage nach dem Seiger ist hierbei nebensächlich. Zumindest die türkische Wirtschaft wünscht sich schon lange einen Versöhnungskurs, besonders im Hinblick auf den sich dadurch öffnenden Tourismusmarkt.
Seit Jahrzehnten sind Kritiker des türkischen Staates harten Repressalien ausgesetzt. Der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk wird seit Jahren juristisch verfolgt und erhält Morddrohungen. Er hatte die Türken dazu aufgefordert, sich der historischen Vergangenheit zu stellen. Und in Brüssel hatten jüngst Armenier in einer Demonstration vom türkischen Staat gefordert, sich im Falle eines EU-Beitritt zu dem Genozid an den Armeniern zu bekennen.
Man wolle keine Schuldzuweisungen, so, Cengiz Aktar, sondern eine Diskussion eröffnen. Nicht von „Völkermord", sondern von „ großer Katastrophe" ist daher auch in der Erklärung die Rede. Auf möglichst behutsame Weise will er die türkische Öffentlichkeit an ein gefährliches Thema heranführen. In der Erklärung heißt es:
„Ich kann mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, dass die große Katastrophe, der die osmanischen Armenier 1915 ausgesetzt waren, ohne Sensibilität behandelt und geleugnet wird. Ich weise diese Ungerechtigkeit zurück, ich persönlich teile den Schmerz meiner armenischen Brüder, und ich entschuldige mich bei ihnen".
In einem völlig anderen Gebiet, nämlich über den Sport, erhoffen sich nun viele Armenier und Türken eine - zumindest diplomatische - Annäherung. Das heutige Fußballspiel zwischen Armenien und der Türkei erreicht vermutlich viel mehr Menschen als irgendein politischer Diskurs.
Zum ersten Mal nach 80 Jahren reiste zu diesem Zweck ein türkischer Staatschef, Abdullah Gül, in das Nachbarland - ein großer symbolischer Schritt in Richtung Versöhnung. Und beliebte Journalisten, wie der Zeitungskommentator Hasan Cemal, dokumentieren die friedliche und hoffnungsvolle Stimmung vieler türkischer und armenischer Fußballfans vor Ort. Die Frage nach dem Seiger ist hierbei nebensächlich. Zumindest die türkische Wirtschaft wünscht sich schon lange einen Versöhnungskurs, besonders im Hinblick auf den sich dadurch öffnenden Tourismusmarkt.
Seit Jahrzehnten sind Kritiker des türkischen Staates harten Repressalien ausgesetzt. Der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk wird seit Jahren juristisch verfolgt und erhält Morddrohungen. Er hatte die Türken dazu aufgefordert, sich der historischen Vergangenheit zu stellen. Und in Brüssel hatten jüngst Armenier in einer Demonstration vom türkischen Staat gefordert, sich im Falle eines EU-Beitritt zu dem Genozid an den Armeniern zu bekennen.