EU-Parlament: Schicksal der Minoritäten in der Türkei vor Augen geführt

Nachrichten · Dienstag, 18. November 2008

EU-Parlament: Schicksal der Minoritäten in der Türkei vor Augen geführt

Schicksal der Minoritäten in der Türkei wurde an Hand von zwei Veranstaltungen über das "Armenische Erbe" und über "Das Massaker von Dersim" vor Augen geführt

Auf Initiative von zwei Abgeordneten - Bernard Lehideux (Frankreich) und Feleknas Uca (Deutschland) - haben im Europäischen Parlament in Brüssel am selben Tag zwei Konferenzen stattgefunden, die der armenischen und der kurdischen Frage gewidmet waren. Beide Veranstaltungen haben im Hinblick auf die Beitrittsverhandlungen zwischen Ankara und der EU großes Interesse ausgelöst.

Am Morgen ging es unter dem Titel "Eine Reise der kulturellen Wiederentdeckung: Armenisches Erbe in der Türkei" um den armenischen Aspekt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom europäischen Büro der "Armenian General Benevolent Union" (AGBU). Am Wort waren u.a. Michael Leigh vom EU-Generaldirektorat für Erweiterung, Fethiye Cetin (Rechtsanwältin des ermordeten armenischen Journalisten Hrant Dinkund Autorin des aufsehenerregenden Buches "Meine Großmutter"), Osman Köker (Historiker und Autor des Buches "Armenier in der Türkei vor 100 Jahren") sowie der armenisch-französische Kunsthistoriker Patrick Donabedian.

Bei der zweiten Konferenz wurde das Massaker von Dersim analysiert. Mit diesem Massaker im Jahr 1938 wollte das kemalistische Regime den kurdischen Widerstand endgültig brechen. Schon 1935 war der historische Name Dersim - wie so viele Ortsnamen in der Türkei - willkürlich in Tunceli verändert worden. Regierungsoffiziell wurden 12.000 Opfer eingeräumt, kurdische Quellen sprechen von bis zu 70.000 Toten. Dersim, das als harter Kern des kurdischen Widerstands gegen die Turkisierung galt, wurde weitgehend entvölkert, unzählige Familien wurden in andere Provinzen verbannt. Die offizielle Türkei weigert sich bis heute, das Massaker anzuerkennen und die Nachkommen der Opfer um Entschuldigung zu bitten. Unter den Sprechern dieser Konferenz waren der Schriftsteller Haydar Isik, Vorsitzender der "Vereinigung zum Wiederaufbau von Dersim", Hilda Tchoboian, die Vorsitzende der Europäischen Armenischen Föderation für Gerechtigkeit und Demokratie, und der Abgeordnete für Tunceli, Serafettin Halis. (ende)

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http://eafjd.eu/IMG/pdf/joint_declaration_-_Dersim.pdf