Nachrichten · Dienstag, 25. November 2008
Schach-Olympiade: Sachsens hellste Köpfe kommen aus Armenien
Den armenischen Schachgroßmeistern hat die Unterstützung ihres Staatspräsidenten Glück gebracht. Sergej Sargissjan flog nach Dresden, um die Sporthelden seines Landes zu unterstützen.
Am ersten Brett führte er am Dienstag den ersten Zug für Lewon Aronjan gegen China aus, den Rest erledigten die Spieler aus dem Kaukasus bei der Schacholympiade selbst: Armenien schlug die Nachwuchsstars aus dem Reich der Mitte mit 2,5:1,5 und verteidigte den Titel bei der Mannschafts-WM mit 19:3 Punkten. "Der Sieg hat große Bedeutung für unser Land", befand Sargissjan freudestrahlend und klopfte jedem Großmeister auf die Schulter.
Die Goldmedaille widmete das Quintett von Arschak Petrosjan seinem Kameraden Karen Asrjan. Der Großmeister war während eines Topturniers im Juni in Eriwan im Alter von 28 Jahren an Herzversagen gestorben. "Das gigantische Ergebnis", wie Chefkommentator und Großmeister Klaus Bischoff den Sieg nannte, verdanke Armenien den "Monsterkillern" hinter dem in Berlin lebenden Aronjan (5,5:4,5 Punkte): Wladimir Akopjan (8:3), Gabriel Sargissjan (9:2) und Tigran Petrosjan (7,5:3,5). Der Namensvetter von Staatschef Sargissjan remisierte nach Petrosjans Erfolg über Li Chao bei der 2:1-Führung gern, auch wenn er damit seine phänomenale Siegesserie abrupt beendete.
Israels Team, das die Armenier während des Mammutturniers mit 140 Mannschaften als einziges bezwingen konnte, wurde Zweiter vor den USA. Die Ukraine fiel durch eine 0,5:3,5-Schlappe hinter die Amerikaner (beide 17:5). Topfavorit Russland (16:6) blamierte sich als Fünfter mit dem stärksten Nationalteam aller Zeiten. Nur einen Punkt dahinter folgt bereits Deutschland I. Die Auswahl von Uwe Bönsch zählt zu den positiven Überraschungen vor den mehr als 15.000 Besuchern im Kongresszentrum und den 52 Millionen Zuschauern, die die rund 5500 Partien im Internet verfolgten.
Am Ende gab es jede Menge Lob, vor allem für die Veranstalter. "Dresden war eine Schlüsselveranstaltung für den Sport", freute sich der Präsident des Weltverbands Fide, Kirsan Iljumschinow. Und Bundestrainer Uwe Bönsch schwärmte: "Noch nie hat es ein so großes Turnier gegeben. Mit Ausnahme von Weltmeister Anand war alles am Start, was im Schach Rang und Namen hat."
Deutsche Frauen enttäuscht
Bönsch lobte auch das eigene Team. "Wir können sehr zufrieden sein. Wir lagen bis zur siebten Runde ganz vorne, ehe wir leider etwas einbrachen", sagte Bönsch. Deswegen haderte er auch nicht mit dem Verzicht auf Georg Meier. Der 21-jährige Neuprofi von Werder Bremen zählte zu den fünf erfolgreichsten Spielern des Turniers - sammelte seine herausragenden 7:2 Zähler aber nur für Deutschland II, das als 41. vier Plätze hinter Deutschland III landete. "Er wird das nächste Mal für das A-Team nominiert", versprach Bönsch dem Jungstar Meier. Die deutschen Frauen, die zum Abschluss Schweden 3:1 schlugen, zeigten sich enttäuscht von Rang 21. "Wir wollten in die Top Ten", erinnerte Spitzenspielerin Elisabeth Pähtz.
Der Weltverband Fide setzte am Rande der Olympiade das Duell der WM-Herausforderer für den Februar in Sofia an: Der bulgarische Weltranglistenerste Wesselin Topalow spielt dann mit Gata Kamsky (USA) um 250.000 $ Preisgeld. Der Sieger trifft im September 2009 auf Weltmeister Viswanathan Anand (Indien). Die nächste Olympiade findet 2010 in Sibirien statt. Den Zuschlag für 2012 erhielt Istanbul. Die Türken stellen den Etat der Dresdner, den die Stadt und der Freistaat mit decken mussten, weit in den Schatten. Er wächst von 4 Mio. auf 10 Mio. Euro. Mit 42.000 Trainern, die 1,7 Millionen Schüler unterrichten, boomt der Denksport am Bosporus.