Nachrichten · Dienstag, 16. Dezember 2008
Grünen-Chef Özdemir unterzeichnet Entschuldigung an Armenier
Die Armenier-Frage ist in der Türkei nach wie vor ein sehr heikles Thema. "Ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, dass die Große Katastrophe, der die osmanischen Armenier 1915 ausgesetzt waren, ohne Sensibilität behandelt und geleugnet wird", heißt es in der Erklärung der Gruppe im Internet. "Ich weise diese Ungerechtigkeit zurück, ich persönlich teile die Gefühle und den Schmerz meiner armenischen Brüder, und ich entschuldige mich bei ihnen."
Armenien, mehrere westliche Staaten und ein Großteil der internationalen Forschung gehen davon aus, dass die osmanischen Armenier 1915 Opfer eines Völkermordes wurden und dass damals bis zu 1,5 Millionen Menschen starben. Die Türkei weist den Völkermordsvorwurf zurück, setzt die Zahl der Opfer weit niedriger an und argumentiert, die Armenier seien im Zuge einer Umsiedlungsaktion unter Kriegsbedingungen ums Leben gekommen. Erst vor wenigen Wochen hatte die Regierung in Ankara der Justiz erlaubt, einen Autoren vor Gericht zu stellen, der von einem Völkermord an den Armeniern gesprochen hatte.
In der Unterschriftenaktion kommt das Wort "Völkermord" nicht vor. Dennoch wurde die Initiative bereits vor ihrem Start von Nationalisten heftig kritisiert. Es gebe kein Verbrechen, für dass sich die Türken entschuldigen müssten, sagte der Chef der Nationalistenpartei MHP, Devlet Bahceli.