Nachrichten · Dienstag, 25. November 2008
Benedikt XVI. empfängt den Katholikos von Kilikien der Armenier
Die Armenische Apostolische Kirche ist eine orthodoxe Kirche der armenischen Diaspora und hat ihren Sitz im Libanon. Sie zählt heute sechzehn Millionen Gläubige in zwei Katholikaten (Etschmiadsin, Kilikien), zwei Patriarchaten (Jerusalem, Konstantinopel) und rund 30 Diözesen, davon neun in Armenien. Das Katholikat von Kilikien (oder von Sis) ist eine eigenständige Teilkirche der Armenischen Apostolischen Kirche.
Der Papst und der Katholikos feierten nach ihrer Begegnung in der Kapelle „Redemptoris Mater“ des Apostolischen Palastes eine ökumenische Liturgie.
In seiner Ansprache vor dem Papst rief Aram I. dazu auf, alle Völkermorde, eingeschlossen den des armenischen Volkes, anzuerkennen. Die Welt von heute mit ihrem Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Versöhnung dränge die katholische und die armenisch-apostolische Kirche dazu, „wahre Herolde des Friedens und der Versöhnung durch die Förderung der Menschenrechte zu sein. Dabei sollen sie für die Gerechtigkeit gegenüber jenen arbeiten, denen diese verleugnet werden. Ziel müsse der Friede und die Versöhnung in allen Situationen der Spannung und des Konfliktes sein.
In diesem Zusammenhang, so Aram I., „müssen die Kirchen, die Religionen und die Staaten einen jeden Völkermord, eingeschlossen den des armenischen Volkes, anerkennen und alles mögliche tun, um neuen Genoziden vorzubeugen“. Dies müsse durch die Behauptung der Rechte aller Völker auf Würde, Freiheit und Selbstbestimmung gewährleistet werden.
Papst Benedikt XVI. erinnerte in seiner Ansprache an den Katholikos während der ökumenischen liturgischen Feier daran, dass das armenische Volk im 20. Jahrhundert „eine Zeit unsäglichen Leidens“ erlebt habe, wie die vielen Märtyrer bezeugten.
Der Heilige Vater betonte, dass die große Schar der Märtyrer, Lehrer und Theologen Armeniens ein Erbe seien, „das heute Teil der ganzen Kirche ist“. Die apostolisch-armenische Kirche von Kilikien und ihre Delegierten hätten einen großen Beitrag zu den positiven Kontakten zwischen den orthodoxen orientalischen Kirchen und der katholischen Kirche geleistet.
Es müsse das Vertrauen bestehen, so der Papst, dass dieser Dialog weitergehe, insofern die Aussicht auf die Klärung theologischer Fragen bestehe, die in der Vergangenheit Grund zur Spaltung gewesen seien. „Ich vertraue darauf, dass die gegenwärtigen Arbeiten der Internationalen Kommission, die unter dem Thema stehen: ‚Das Wesen, die Konstitution und die Sendung der Kirche’, es erlauben werden, dass viele der spezifischen Fragen unseres theologischen Dialogs ihren rechten Kontext und eine Lösung finden werden:“
Ein größeres Verständnis und die Wertschätzung der apostolischen Tradition werde zu einem noch wirksameren gemeinsamen Zeugnis für die geistlichen und moralischen Werte beitragen, ohne die eine wahrhaft menschliche und gerechte soziale Ordnung nicht bestehen könne.
Der Blick des Papstes richtete sich abschließend auf die schwierige Situation der Völker im Libanon und im Mittleren Osten, für die er jeden Tag bete. Er zeigte seine tiefe Sorge aufgrund des Andauerns von Spannungen und Konflikten, die „alle Anstrengungen zunichte machen, die der Versöhnung und dem Frieden auf jeder Ebene der Zivilgesellschaft und des politischen Lebens der Region dienen sollen“.
Benedikt XVI. erinnerte an die Verfolgung der Christen in einigen Gegenden des Mittleren Ostens und anderswo und betonte: „Nur wenn die betroffenen Völker in der Lage sind, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen, und die verschiedenen Ethnien und religiösen Gemeinschaften einander voll akzeptieren und respektieren, wird der Friede auf festen Grundlagen der Solidarität, Gerechtigkeit und Achtung für die legitimen Rechte der Menschen und Völker errichtet werden.“