Nachrichten · Sonntag, 26. April 2009
Armenische Diaspora wirft Obama Nichtanerkennung von Genozid im Osmanischen Reich vor
"Präsident Obama hatte eine Möglichkeit gehabt, in seiner Ansprache am 24. April den Genozid an den Armeniern (im Jahr 1915) anzuerkennen und einen neuen Kurs auf die Normalisierung der Beziehungen zwischen Armenien und der Türkei zu verkünden", heißt es in einer Erklärung der Vereinigung der Armenier von Amerika (AAA/Armenien Assembly of America). Das Dokument liegt der Nachrichtenagentur RIA Novosti vor.
Am vergangenen Freitag hatte Obama eine Erklärung anlässlich des Gendenktages für die Opfer des Genozids an den Armeniern im Osmanischen Reich abgegeben. "In seiner Rede hatte er aber kein einziges Mal den Begriff ‚Genozid' gebraucht und somit sein Wahlversprechen verletzt, die Ereignisse von 1915 als Völkermord an den Armeniern anzuerkennen", heißt es in dem AAA-Schreiben.
1915 waren bei den Massakern im Osmanischen Reich mehr als 1,5 Millionen Armenier ums Leben gekommen. Uruguay war das erste Land, das 1965 das Geschehen im Osmanischen Reich als Genozid anerkannt hatte. Darauf folgten Russland, Frankreich, Italien, Deutschland, die Niederlande, Belgien, Polen, Litauen, die Slowakei, Schweden, die Schweiz, Griechenland, Zypern, der Libanon, Kanada, Venezuela, Argentinien und 42 US-Bundesstaaten. Der Völkermord wurde ach vom Vatikan, dem Europaparlament und dem Weltkirchenrat anerkannt.
Die Vereinigung der Armenier von Amerika hat ihren Sitz in Washington sowie regionale Büros in Boston, Los Angeles, Eriwan, Gümri und Stepanakert.
Gegenwärtig haben die Türkei und Armenien keine diplomatischen Beziehungen. Die Grenze zwischen beiden Ländern ist seit 1993 geschlossen. Für die Verbesserung der bilateralen Beziehungen stellt Ankara eine Reihe von Bedingungen, darunter der Verzicht Eriwans auf die Politik der internationalen Anerkennung des Massakers an den Armeniern im Jahr 1915 als Genozid. Zudem besteht die Türkei auf der Beilegung des armenisch-aserbaidschanischen Konflikts um die Region Berg-Karabach. Dagegen erklärt sich Eriwan bereit, die diplomatischen Beziehungen zu Ankara ohne Vorbedingungen wiederaufzunehmen.