Nachrichten · Donnerstag, 14. Mai 2009
Armeniens Außenminister lehnt türkische Einmischung in Karabach-Regelung ab
„Wenn die Türkei zur friedlichen Beilegung des Konfliktes beitragen will, wäre es am Richtigsten, wenn sie sich überhaupt nicht in die Lösung dieses Problems einmischt", sagte Nalbandjan am Donnerstag bei einem Treffen mit dem britischen Vertreter im Südkaukasus, Brian Fall.
Der armenische Außenminister kommentierte so die vom türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan am Vortag gemachte Äußerung, die Türkei werde die Grenze zu Armenien nicht öffnen, solange das Karabach-Problem nicht gelöst sei.
Nalbandjan verwies darauf, dass die Verhandlungen über die Karabach-Regelung unter Vermittlung der Minsker OSZE-Gruppe auf der Grundlage der Abkommen von Madrid geführt würden und die Seiten bemüht seien, ihre Positionen einander näher zu bringen.
Nalbandjan und Fall waren sich darin einig, dass der Bergkarabach-Konflikt auf der Grundlage der Normen und Prinzipien des Völkerrechts friedlich gelöst werden müsse.
Der Bergkarabach-Konflikt war im Jahr 1988 ausgebrochen, als die vorwiegend von Armeniern bewohnte Region Bergkarabach ihren Austritt aus der damaligen Sowjetrepublik Aserbaidschan (Aserbaidschanische SSR) angekündigt hatte. Im Jahre 1991 verkündete Bergkarabach die Gründung einer Republik, was Kampfhandlungen zwischen den armenischen und den aserbaidschanischen Kräften zur Folge hatte. Am 12. Mai 1994 trat ein Waffenstillstandsabkommen in Kraft. Aserbaidschan hat infolge der bewaffneten Auseinandersetzungen die Kontrolle über Bergkarabach und sieben umliegende Rayons verloren. Seit 1992 werden Verhandlungen über die friedliche Beilegung des Konfliktes im Rahmen der Minsker OSZE-Gruppe geführt, in der die USA, Russland und Frankreich vertreten sind.
Aserbaidschan will seine territoriale Integrität beibehalten. Armenien vertritt die Interessen von Bergkarabach, das keine Verhandlungspartei ist.
Nalbandjan und Fall berieten auch über den Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Armenien und Großbritannien sowie über die Möglichkeit eines engeren Zusammenwirkens der Außenministerien beider Länder.
Auf Vorschlag der britischen Seite wurde vereinbart, regelmäßige Treffen zwischen den Außenministerien beider Länder durchzuführen.